Eisenbahnromantik: Reisen mit der Bimmelbahn auf Schmalspur
Dresden / Binz (gms). Klimatisierte Abteile gibt es nicht: Und auch bei der sonstigen Ausstattung sucht man modernen Reisekomfort vergeblich. Doch die deutschen Schmalspurbahnen bieten dafür Eisenbahnromantik und Bahnerlebnis pur. Häufig ziehen historische Dampfloks die Züge.
Die große Zeit der Schmalspurbahnen waren die beiden letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Mit ihnen sollten auch entlegene Gegenden Gleisanschluss für den Personen- und Warenverkehr erhalten.
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| Klassiker: Die Harzer Schmalspurbahnen stehen unter Denkmalschutz Fotos: gms |
Der engere Schienenstrang war im Bau einfacher und billiger als die Normalspur von 1435 Millimetern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Netze nach und nach abgebaut.
Ein Schwerpunkt der Schmalspurbahnen war Sachsen. Einige zuckeln noch nach regulären Fahrplänen durch die Gegend. „Das Interesse an der Industriekultur nimmt zu“, sagt Heimo Echensperger, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Museums- und Touristikbahnen (VDMT) in Geretsried (Bayern).
Auf etwa ein Dutzend Schmalspurbahnen schätzen Kenner den Bestand. Klassiker in dieser Kategorie sind die unter Denkmalschutz stehenden Harzer Schmalspurbahnen (HSB), die in dem deutschen Mittelgebirge ein Streckennetz von insgesamt 140 Kilometern unterhalten. „Vom Sommer dieses Jahres an wird auch die neue Strecke von Gernrode nach Quedlinburg regelmäßig befahren“ sagt HSB-Manager Andreas Mansch.
Auf der Ferieninsel Rügen ist der „Rasende Roland“ die Attraktion. „Die Ostseelandschaft bietet ein ganz besonderes Flair, das bis zu 400 000 Passagiere pro Jahr genießen“, sagt Dirk Bahnsen, kaufmännischer Leiter des Unternehmens. Die „Rügensche Kleinbahn“ fährt 24 Kilometer von Putbus über Binz nach Göhren.
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| Bei Urlauben beliebt - der „Rasende Roland“ auf Rügen |
Mitten durch die Stadt Bad Doberan dampft „Molli“ ins 15,4 Kilometer entfernte Ostsee- bad Kühlungsborn auf einer 900-Millimeter-Spur. „Die Züge verkehren stündlich und werden von Dampflokomotiven gezogen“, sagt Marike Behrens von der Betreibergesellschaft. Im Winter wird die Frequenz auf zwei Stunden reduziert.
Sachsen feiert in diesem Sommer das 125-jährige Bestehen der 750-Millimeter-Spur. Die Züge tragen Namen wie „Lößnitzdackel“. So nennen die Anwohner die Bahnen, die von Radebeul Ost über Moritzburg nach Radeburg verkehren. Im Kursbuch heißt die Verbindung Lößnitzgrundbahn.
Die Weißeritzbahn im östlichen Erzgebirge, die Freital-Hainsberg und Kipsdorf verbindet, war bis zur Hochwasserkatastrophe im Sommer 2002 die. älteste noch mit Dampf betriebene Schmalspurbahn Deutschlands. Dann zerstörten die Wassermassen Teile der Strecke. „Ziel des Wiederaufbaus ist natürlich der Regelbetrieb“, sagt Axel Bergmann von der zuständigen Gesellschaft in Dresden. „Wir hoffen, dass sie bis Ende 2007 wiederhergestellt ist.“
In den alten Bundesländern wurden in den vergangenen 60 Jahren fast alle Schmalspurbahnen stillgelegt. Einige von ihnen wurden auf Teilstrecken zu Museumsbahnen umgewandelt, die von Bahnenthusiasten unterhalten werden. Auf Strecken der 1000-Millimeter- Spur verkehren heute moderne und zweckmäßige Uberlandstraßenbahnen sowie Nahverkehrszüge.
Informationen: www.schmalspurbahn.de, www.vdmt.de
Quelle: Generalanzeiger
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